Donnerstag, 7. Mai 2009
Du bist so alt, wie du dich fühlst!
Träfe das zu, wäre ich wohl ein achzigjähriger, sich-alleinstehend-fühlender Frührentner, der die letzten Bruchstücke einer lächerlichen Koexistenz mühevoll zu überstehen versucht, jeden Tag mit der Angst vor dem unendlichen Nichts lebend. Gefangen in einer Mischung aus Hölle und 1984, das ich mein Zuhause nenne, säße ich auf meinem Sofa, schaute rundum die Uhr RTL2 und versuchte jeden möglich aufstrebenden Gedanken an den bevorstehenden Tod zu verdrängen. Ich fände mich damit nicht ab und würde jeden kleinsten Gedankenfetzen zurück tief in meinen Körper prügeln, um mich dann unvorbereitet vom Tod überraschen und übermannen zu lassen.

Ich hätte die Liebe meines Lebens ziehen lassen und während ich in dieser grausigen Einsamkeit vor mich hin vegitierte, kochte meine Frau nebenan das Essen. Ich wusste schon immer, dass sie mich liebt. Und ich hoffte mein Leben lang inständig, dass ich diese Gefühle irgendwann hätte erwidern können. Mit dieser Hoffnung trat ich vor den Altar und wüsste seit dem Ja-Wort, dass ich niemals glücklich sein würde. Ich möchte sie nicht verletzen und so ließe ich den Impuls, der mein Herz am Leben erhält, ziehen und ohne mich glücklich werden.

Ich säße auf meinem Sofa und obwohl nicht der geringste Hauch eines Raubtiers je meine Wohnung betrat, rieche es nach Katze. Ich würde die Augen schließen und über die Einsamkeit nachdenken. Warum habe ich ungewollt geheiratet? Warum habe ich mein junges Leben nur genossen, nie genutzt? Und dann würde ich feststellen, dass das, was ich bisher als Leben bezeichnete, ein Haufen Scheiße voller Lügen und Trieben war. Und so säß ich. Und säß. Und säß.

Es scheint, als ob es manchmal doch nicht ideal wäre, so alt zu sein, wie man sich fühlt.

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